Beschreibung
Heute Vormittag hat der Stadtrat für Sozialpolitik der Stadtgemeinde Bozen, Juri Andriollo in einer Pressekonferenz die ersten Ergebnisse der Arbeiten am neuen Sozialplan für Lebensqualität der Stadt Bozen vorgestellt. Der Sozialplan soll nach seiner Fertigstellung ein Planungsinstrument sein, an dem sich die Gemeindeverwaltung bei ihren Entscheidungen im Sozialbereich orientiert. Die Themen werden derzeit in einem partizipativen Prozess erarbeitet, um konkrete Lösungen und Vorschläge für die Bedürfnisse und Wünsche der Bevölkerung zu finden. Seit 2022 arbeiten die Arbeitsgruppen an verschiedenen Themen.
„Überlassen Sie die Entscheidungen über die Zukunft deiner Stadt nicht anderen. Werden Sie selbst aktiv!“
Bereits 2022 hat die Beobachtungsstelle mit der Ausarbeitung des Sozialplanes begonnen. Zunächst wurden die neuesten Erkenntnisse und wissenschaftlichen Berichte zum Thema gesammelt. Dann wurden 80 Interviews geführt, bei denen Personen befragt wurden, die der öffentlichen Verwaltung, lokalen Forschungseinrichtungen oder privaten Sozialeinrichtungen angehören. Auf der Website der Stadtgemeinde Bozen wurde auch ein Online-Fragebogen veröffentlicht, den bisher 100 Bürgerinnen und Bürger ausgefüllt haben. Der Fragebogen ist noch freigeschaltet und kann von allen Interessierten ausgefüllt werden. Es wurden 7 Arbeitsgruppen eingerichtet, die sich mit den folgenden Themen auseinandersetzen: WOHNEN, SOZIO-SANITÄRE INTEGRATION, HAUSHALT UND FAMILIE, ARMUT UND VERARMUNG, SELBSTBESTIMMUNG DER PERSONEN IN SCHWIERIGEN LEBENSSITUATIONEN, GEMEINGUT. Demnächst werden noch zwei neue Arbeitsgruppen gebildet, die sich mit den Themen DIGITALE KLUFT und ORGANISATIONSKULTUR befassen. In den Arbeitsgruppen arbeiten insgesamt ca. 150 Personen zusammen, die aus den Bereichen öffentliche Verwaltung, private Sozialeinrichtungen, Gesundheits- und Sozialdienste und lokale Forschungseinrichtungen stammen, aber es beteiligen sich auch Senioren und Seniorinnen bzw. Personen, die im Ruhestand sind, Menschen mit Behinderungen und mit Migrationshintergrund, Ehrenamtliche und Personen, die aus der Schulwelt kommen bzw. die aus persönlichem Interesse in einer der Arbeitsgruppen mitarbeiten.
„Die hohen Lebenshaltungskosten verschärfen die wirtschaftlichen und sozialen Unterschiede innerhalb der Bevölkerung und sind ein Grund für eine zunehmende Verarmung. Auf der anderen Seite lassen sich Auswüchse des Wohlfahrtsstaates feststellen. Die hohen Wohnungspreise bedingen einen Schwund der Arbeitskräfte, weil diese in andere Gemeinden anwandern, wo die Lebenshaltungskosten nicht so hoch sind wie in Bozen. Der Personalmangel ist bereits in vielen Arbeitsbereichen deutlich spürbar. Im Sozialbereich kann es dadurch zu Schließungen, zum Abbau von Sozialdiensten und zu Reduzierungen bei den Angeboten für sozial schwache Gruppen kommen. Die Arbeitnehmer/innen sind überbelastet, es könnte zu Privatisierungen kommen.“ Das sind einige der Themen, die die Arbeitsgruppen herausgearbeitet haben, erklärte Stadtrat Andriollo heute.
„Die Methode, die wir verwenden,“ erklärten der Direktor der Abteilung für Sozialpolitik, Carlo Alberto Librera, und seine Mitarbeiterin Milena Brentari, „ermöglicht es, die Korrelationen und Verbindungen zwischen den verschiedenen sozialen Phänomenen offen zu legen und sie auf systemische Weise zu betrachten und analysieren. In diesem Sinne ist die Anwendung dieser Methode bei einem Sozialplan eine Neuheit, denn es werden die Probleme beschrieben und die Tatsache, dass sie bereichsübergreifender Natur sind, in den Vordergrund gerückt.“
„Machen wir zwei Beispiele.“ sagte Stadtrat Andriollo. “Schwierigkeiten, eine Mietwohnung zu finden, haben Menschen mit Migrationshintergrund, Einheimische, Menschen mit Behinderungen, Studierende, Forschende. Das zweite Beispiel ist die Digitalisierung: Sie ist für viele Menschen, nicht nur für die Seniorinnen und Senioren, eine große Herausforderung, weil die Programme komplex aufgebaut und die Sprache kompliziert sind. Einige Menschen können sich auch keinen PC und/oder keine Internetverbindung leisten. Einen Spid einrichten kann in so einer Situation auch für die sogenannten „Digital Natives“ ein Problem sein. Die Digitalisierung hat viele Vorteile, aber sie kann auch diskriminierend sein, was als digitale Kluft bezeichnet wird.“ sagte Andriollo.
„So wünsche ich mir Bozen“ ist der Titel eines Diskussionsrund, die im Herbst stattfinden wird und zu der alle interessierten Bürgerinnen und Bürger eingeladen sind. Bei dieser Gelegenheit werden auch die mittel- und langfristigen Aktionen besprochen und geplant (2024-2034). Im September und Oktober werden auch noch Interviews mit Schülerinnen und Schülern und mit den Studierenden der Universität Bozen geführt, um auch die Wünsche, Ideen und Anregungen der jungen Generation zu sammeln.