Raum 5 – Das Gold des Mittelalters

Stadtmuseum Bozen
Veröffentlichungsdatum:

14.10.2025

Hauptteil

Gold, das Metall des Lichts, der Transzendenz, des Sakralen, ist der rote Faden, der die ausgestellten mittelalterlichen Werke trotz ihrer Vielfalt verbindet.

     
Lorenzo di Bicci und Embriachi-Werkstatt 
Reliquenkassette
2. Hälfte 14. des Jahrhunderts
Herkunft: Schluderns, Schloss Churburg
Die Reliquienkassette mit Elfenbein- und Holzintarsien von der Churburg (Vinschgau) zählt zu den bedeutendsten Erwerbungen der Nachkriegszeit. Abenteuerlich ist ihr Weg nach Bozen: Entstanden um 1390-1400 in der Embriachi-Werkstatt, enthält sie ein Gemälde von Lorenzo di Bicci auf Goldgrund mit dem Wappen der Stadt Florenz. Während eines Krieges gelangte sie in die Hände des vom Kaiser geadelten Offiziers Johann Fernberger (Auer 1511 – Wien 1584). Später diente sie als Hochzeitsschrein, wie die zwei gemalten Tauben im Deckelinneren belegen, und gelangte vermutlich über adelige Familienverbindungen auf die Churburg.
     
Unbekannter Künstler
Gottvater zwischen den Hl. Margarethe und Johannes dem Täufer, mit den Stiftern Austrunk
Um 1380-1390
Herkunft: Schnals, Kartäuserkloster Allerengelberg
Tempera auf Holz
Gold füllt auch den durch die überreiche Architektur des Himmelsthrons beschränkten Hintergrund des Altarbildes, das das Ehepaar Austrunk für das Kartäuserkloster Allerengelberg in Schnals gestiftet hat. Die Fürsprache der beiden heiligen Namenspatrone Johannes der Täufer und Margarethe beim allmächtigen, thronenden Gott sowie die Musik der Engel sollten das demütige Gebet der beiden Stifter zu deren Seelenheil unterstützen.

Aufgrund ihrer Verwendung bei heiligen Zeremonien erinnerten liturgische Instrumente an den Glanz von Gold, obwohl sie aus praktischen Gründen oft nicht vollständig aus Gold oder Silber gefertigt waren.            

Der Palmesel
     
Der segnende Christus reitet auf dem Rücken einer Eselin im Triumph in Jerusalem ein, wo er von einer feiernden Menge empfangen wird. Das Ereignis wird insbesondere bei Matthäus 21,1-9 erzählt: „Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist friedfertig und er reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers“.
  
Hans Klocker
Christus auf dem Palmesel
Um 1498 
Herkunft: Kaltern, Pfarrkirche
Holz geschnitzt und bemalt, Farbfassung erneuert

In Mitteleuropa führte man seit dem frühen Mittelalter in der Prozession am Palmsonntag, der die Feiern der Osterwoche einleitet, eine Palmesel-Statue mit.
Dieser Palmesel stammt aus der Pfarrkirche von Kaltern und ist ein Werk von Hans Klocker, der gegen 1498 für die gleiche Kirche auch den heute auseinander gerissenen Hauptaltar schuf. Klocker, Leiter einer florierenden Werkstatt in Brixen, ist einer der bedeutendsten Künstler Tirols in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Seine Werke zeichnen sich durch Realismus und Detailreichtum aus, ein tiefer, scharfer Faltenwurf bei der Bekleidung prägt seinen Stil.
Die Figurengruppe wurde rund 360 Jahre lang, bis um 1860, bei Prozessionen im Freien mitgeführt; seit 1904 befindet sie sich im Museum.
     

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Veröffentlichungsdatum

14.10.2025

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