Beschreibung
Die Stadtverwaltung von Bozen hat heute den Vorschlag der SEAB zur Anpassung der Tarife für den Trink- und Abwasserdienst genehmigt, die 2025 in Kraft treten wird. Die Tarife sehen eine Anpassung von 5,6 % aufgrund gestiegener Betriebskosten vor sowie die Einführung eines neuen spezifischen Tarifs von 0,25 €/m³ für Investitionen in die Infrastruktur des Wasserleitungsnetzes. Ziel ist es, Wasserverluste zu reduzieren und die Sicherheit und Nachhaltigkeit des städtischen Wassernetzes zu gewährleisten.
SEAB verwaltet ein komplexes Netz, das 198,5 km Wasserleitungen und 280 km Kanäle umfasst, sowie zahlreiche Anlagen mit einem Neuwert von über 400 Millionen Euro. Der Investitionsplan, der mit der Stadtverwaltung für den Zeitraum 2024–2026 abgestimmt wurde, sieht Ausgaben in Höhe von insgesamt 33,1 Millionen Euro vor. Zu den zentralen Projekten gehören das BLMP-Projekt (mitfinanziert durch den PNRR) und das Wasserprojekt am Kohlern sowie zahlreiche weitere Maßnahmen in den verschiedenen Stadtgebieten. Ziel ist es, das Wassernetz widerstandsfähiger gegenüber extremen Wetterereignissen zu machen und die Verluste zu verringern. In Italien gehen derzeit über 41 % des entnommenen Wassers während des Transports verloren, während die Verluste in Bozen noch bei etwa 30 % liegen.
Matthias Fulterer, Generaldirektor der SEAB, erklärt: „Die Tarifanpassung ist eine schwierige, aber notwendige Entscheidung. Kontinuierliche Investitionen in die Modernisierung des Wassernetzes sind entscheidend, um Wasserverluste zu vermeiden und eine sichere Versorgung für zukünftige Generationen zu gewährleisten. Nur mit einer angemessenen Tarifgestaltung können wir die Infrastruktur effizient verwalten und den Herausforderungen des Klimawandels und der alternden Infrastruktur begegnen.“
Für eine vierköpfige Familie mit einem jährlichen Verbrauch von ca. 192 m³ bedeutet die Erhöhung durchschnittliche Mehrkosten von etwa 1,45 € pro Person im Monat, also 17 € pro Jahr. Für einen Zweipersonenhaushalt mit einem Verbrauch von 100 m³ jährlich beträgt die Gesamterhöhung ca. 35 € pro Jahr.
Stefano Sacchi, Technischer Direktor der SEAB, ergänzt: „Die durch den Nationalen Wiederaufbau- und Resilienzplan (PNRR) und die Autonome Provinz Bozen gewährten Zuschüsse in Höhe von über 16 Mio. € für die kommenden Jahre ermöglichen es uns, einen bedeutenden Teil der geplanten Maßnahmen zu finanzieren. Der verbleibende Anteil muss jedoch von SEAB über die Tarife gedeckt werden. Die Tarifsteigerung folgt den europäischen und nationalen Zielen, die jährliche Investitionen von etwa 100 € pro Bürger vorsehen, um die Resilienz der Wasserinfrastrukturen sicherzustellen. Dank der angewandten Tarife und der erhaltenen Zuschüsse werden wir ab 2025 dieses strategische Ziel einhalten.“
Der Bürgermeister von Bozen, Renzo Caramaschi, betont: „Die Stadtverwaltung und SEAB sind davon überzeugt, dass diese Erhöhungen eine unverzichtbare Maßnahme sind, um das wertvollste Gut, das wir haben – Wasser – zu bewahren. Das Bozner Trinkwasser ist von herausragender Qualität. Nur durch konkretes Engagement und kontinuierliche Investitionen kann ein sicheres, effizientes und klimabeständiges Wassersystem für Bozen gewährleistet werden. Die Erhöhung der Tarife ist daher eine zukunftsorientierte Entscheidung für die Sicherheit und Nachhaltigkeit der Stadt und unserer Kinder.“
In Italien sind die Wassertarife derzeit deutlich niedriger als in anderen europäischen Ländern. In den Tarifen sind neben der Wasserversorgung auch die Kosten für die Ableitung und die Klärung der Abwässer enthalten. 2023 lag der europäische Durchschnitt bei 3,20 €/m³, während der Durchschnittspreis in Italien bei 2,10 €/m³ lag. Diese Begrenzung hat die Investitionsfähigkeit zur Verbesserung der Infrastruktur eingeschränkt. Die dramatischen Dürren, die 2024 in weiten Teilen Italiens auftraten, sind eine direkte Folge davon. Länder wie Dänemark und Deutschland, die in der Wasserbewirtschaftung führend sind, erheben deutlich höhere Tarife und können so entscheidende Investitionen zur Reduzierung von Wasserverlusten und zur Sicherstellung der Resilienz finanzieren.