Beschreibung
Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz im Bozner Rathaus stellten die Verantwortlichen der Stadtverwaltung und der SEAB heute wichtige Änderungen bei den Mülldienstleistungen und bei den Müllgebühren vor. Anwesend waren der neue Umweltstadtrat Marco Caruso, der Leiter des Umweltamtes Renato Spazzini, der SEAB-Präsident Kilian Bedin sowie der SEAB-Generaldirektor Matthias Fulterer.
Eine „dauerhafte, verbindliche Zusammenarbeit mit Bozens Umweltbetrieb SEAB und noch mehr Bürgernähe bei der Gestaltung des ohnehin schon hochwertigen Dienstleistungsangebot“: das wünscht sich Bozens neuer Umweltstadtrat Caruso. Damit dies gelingt, werden die Verantwortlichen der Stadtverwaltung und des städtischen Umweltbetriebs SEAB künftig regelmäßig – mindestens einmal im Monat, bei Bedarf auch öfter – zu einem Arbeitstreffen zusammenkommen. Dabei werden kritische Punkte besprochen und Lösungsstrategien erarbeitet. Manchmal reiche es allerdings aus, an kleinen Stellschauben zu drehen, um spürbare Verbesserungen zu erzielen, so Caruso.
Neues Sammelsystem für Altkleider
Der internationale Markt für gebrauchte Textilien befindet sich derzeit in einer tiefen Krise, was eine nachhaltige und effiziente Entsorgung dieser Abfallart erschwert. Zudem sind die Altkleidercontainer ein häufiges Ziel von Vandalen, was sich sichtbar auf die Sauberkeit in der Stadt auswirkt. Und auch die wilden Müllablagerungen im Umkreis der Container beeinträchtigen das Stadtbild erheblich.
Aus diesem Grund müssen gebrauchte Kleider und Schuhe ab Mitte Juli am Recyclinghof abgegeben werden. Die Straßensammelcontainer werden in den Sommermonaten schrittweise entfernt. Die Verantwortlichen der Stadt und des städtischen Umweltbetriebs appellierten heute an die Bürgerinnen und Bürger, auf einen bewussteren und nachhaltigeren Konsum zu achten und nicht mehr benötigte Kleidung zu spenden, wiederzuverwerten oder auf Tauschmärkten und über andere Secondhand-Foren abzugeben.
SEAB-Präsident Kilian Bedin erklärte dazu: „Mit dieser neuen Organisationsform möchten wir nicht nur das Stadtbild verbessern, sondern auch einen effizienteren und bürgernäheren Service bieten – angepasst an die tatsächlichen Bedürfnisse unserer Stadt.“
Illegale Müllablagerungen und Mülltourismus: mehr Kontrollen und Strafen
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Eindämmung der illegalen Müllentsorgung durch eine Intensivierung der Kontrollen. Es kommt immer noch häufig vor, dass Abfälle einfach in der Landschaft entsorgt werden, zum Schaden für die Umwelt und für die Mitmenschen, die dieses Fehlverhalten mit höheren Gebühren bezahlen müssen.
„Wir haben 12 Überwachungskameras, die wir an den neuralgischen Punkten im Stadtgebiet platzieren. Dadurch können wir die Fahrzeuge identifizieren“, so der Direktor des städtischen Umweltamtes Renato Spazzini. „Auf diese Weise wurden im vergangenen Jahr rund 1.700 Müllsünder ermittelt und mit einem Bußgeld belegt. Etwa ein Drittel der Verstöße wurde von Bürgerinnen und Bürgern aus den Nachbargemeinden begangen. Dieser Mülltourismus verursacht zusätzliche Entsorgungskosten, und die müssen von der Stadt und von den Boznerinnen und Boznern getragen werden.“ Wer Müll unrechtmäßig entsorgt, muss mit einem Bußgeld von 200 EUR (Privatpersonen) bzw. 400 EUR (Unternehmen) rechnen.
Spazzini weiter: "In der Eile stellen viele Bürgerinnen und Bürger ihre Abfälle einfach irgendwo ab. Dabei wäre eine korrekte Entsorgung gar nicht schwer, schließlich gibt es ein funktionierendes Müllsammelsystem bestehend aus der Haussammlung, den Wertstoffinseln am Straßenrand und dem Recyclinghof. Es ist kaum nachvollziehbar, warum sie ihren Müll trotzdem einfach irgendwo entsorgen." Bozens Recyclinghof habe an sechs Tagen in der Woche viele Stunden täglich geöffnet, so Umweltstadtrat Caruso. "Es geht uns sicher nicht darum, Kasse zu machen, sondern vielmehr um die Bekämpfung einer Unsitte, die die Boznerinnen und Bozner bares Geld kostet.“
Bei der Pressekonferenz ebenfalls angesprochen wurden die Müllgebühren für 2025. Diese steige n für Privathaushalte um 8,7 % und für Unternehmen um 7,5 %. Ein Einpersonenhaushalt bezahlt künftig demnach rund 1 Euro monatlich mehr als bisher. Bei einem Dreipersonenhaushalt beträgt die Erhöhung etwa 1,80 Euro monatlich.
Für über 65-Jährige gibt es auch weiterhin die günstigeren Seniorentarife: Bei einem ISEE bis 20.000 Euro zahlen über 65-Jährige nur die Hälfte, bei einem ISEE zwischen 20.001 und 30.000 Euro beträgt die Ermäßigung 35 %.
Eine wichtige Neuerung ist die Gewährung eines Sozialbonus auf die Abfallgebühr. Der Sozialbonus Abfall ist mit jenem auf die Strom- und Gasgebühr vergleichbar. Anspruch auf die 25%-ige Ermäßigung haben Haushalte mit einem ISEE von bis zu 9.530 Euro und Familien mit mindestens vier Kindern und einem ISEE von bis zu 20.000 Euro. Es muss kein Antrag gestellt werden. Die Ermäßigung gilt rückwirkend ab dem 1. Januar 2025 und wird auf alle Berechtigten automatisch angewandt. Finanziert wird der Bonus über eine jährliche Zusatzabgabe in Höhe von 6 Euro pro Anschluss. „Trotz dieser Anpassungen gehören die Müllgebühren in Bozen italienweit zu den niedrigsten“, so SEAB-Generaldirektor Matthias Fulterer. „Eine dreiköpfige Familie zahlte 2024 durchschnittlich 222 Euro pro Jahr. Der italienische Durchschnitt liegt bei 329 Euro. Dies entspricht einer Kostenersparnis von 30 Prozent.“