Beschreibung
Anlässlich des Internationalen Tages der Menschen mit Behinderungen fand heute Vormittag im Rathaus von Bozen eine Pressekonferenz mit Bürgermeister Claudio Corrarati, dem Beauftragten für die Belange von Personen mit Beeinträchtigung, Ulrich Seitz und der Stadträtin für Sozialpolitik, Patrizia Brillo statt.
Bürgermeister Corrarati betonte in der Pressekonferenz den Standpunkt der Stadtregierung zu diesem Thema: „Wir haben eine klare und einfache Botschaft: Unsere Stadt muss über ihre Grenzen hinauswachsen, denn Behinderung ist keine Grenze. Sie ist eine Chance zu zeigen, dass man über seine Grenzen, auch kultureller Natur, hinauswachsen kann. Wir sollten eine Gesellschaft sein, die innerhalb und außerhalb der Wirtschaft reelle Chancen bietet, jungen Menschen ebenso wie älteren, damit sie ihren Platz in der Gesellschaft finden und sich aktiv am Leben beteiligen können. Wir dürfen uns nicht mit Angeboten zufriedengeben, die nur Betreuungsangebote sind oder kaum sichtbar sind. Eine Einschränkung kann auch eine Chance sein, um sich in einen neuen Bereich vorzuwagen. Bozen wird auch in Zukunft Betreuungsangebote garantieren, und hier wird es keine Abstriche geben, aber wir müssen neue Projekte entwickeln, z.B. in der Mobilität und bei der Beseitigung von architektonischen Barrieren. Im Haushalt haben wir bereits genügend Finanzmittel für solche Projekte vorgesehen.“
Bei der heutigen Pressekonferenz wurden auch die Ziele der Stadtregierung bezüglich der Arbeitseingliederung von Menschen mit Behinderung vorgestellt. Jedes Jahr steigt in Bozen nämlich die Zahl der Menschen mit einer Behinderung. Zum 31.12.2024 lebten in der Stadt Bozen fast 8.000 Personen mit Beeinträchtigungen, davon 3.300 unter 60 Jahre, und fast 1.000 Personen mit einer 100%igen Behinderung.
Neben dem Abbau von architektonischen Barrieren möchte sich Bozen vermehrt auf den Bereich der Arbeitseingliederung konzentrieren, sagten Bürgermeister Corrarati und Stadträtin Brillo. Die Erwerbsbeteiligung der behinderten Menschen im Alter von 18 bis 40 Jahren liegt in Bozen derzeit bei rund 52%, bezogen auf das Jahr 2024, und ist somit deutlich niedriger als bei der nicht-behinderten Bevölkerung. Das hängt nicht nur von der Konjunktur ab, sondern auch von rechtlichen Rahmenbedingungen und von der demographischen Entwicklung.
Menschen mit Beeinträchtigung arbeiten in allen Branchen, vom verarbeitenden Gewerbe bis zur öffentlichen Verwaltung. Aber es besteht Handlungsbedarf. Wie der Beauftragte für Menschen mit Behinderungen, Ulrich Seitz erklärte, leben ca. 300 Personen in Bozen, die zumindest einen Maturaabschluss aufweisen oder sogar ein Universitätsstudium absolviert haben, aber noch nie konkrete Arbeitserfahrungen gesammelt haben. Bürgermeister Corrarati und Ulrich Seitz wollen hier ansetzen und gezielte Treffen mit Beratungen organisieren. Diese
Treffen werden in den Stadtvierteln stattfinden, um zu informieren und den Austausch mit möglichen Arbeitgebern zu fördern. Es sollen auch positive Erfahrungsberichte präsentiert werden, um Mut zu machen, einen neuen Schritt zu wagen.
Ein anderes Thema sind die Problematiken Armut und Betreuung von Behinderten im fortgeschrittenen Alter durch ihre betagten Eltern. Die Armutsquote bei Menschen mit Behinderungen ist alarmierend. Mit rund 30% sind Männer mit Behinderungen in Bozen doppelt so häufig von Armut betroffen wie Männer ohne Behinderungen. Bezüglich der Betreuung von Behinderten durch ihre betagten Eltern („Dopo di noi/Nach uns“) gibt es in Bozen ca. 120 den Behörden bekannte Situationen, in denen Eltern über 75 Jahre, die selbst zu den gesundheitlichen Risikogruppen gehören, die Pflege und manchmal auch die Betreuung ihrer erwachsenen Kinder übernehmen müssen. Hier sollen gemeinsam mit den Sozial- und Gesundheitsdiensten und anderen Partnern Lösungen gefunden werden.
In den kommenden Monaten wird der Beauftragte für Menschen mit Behinderungen, Ulrich Seitz eine Reihe von Lösungsvorschlägen ausarbeiten und der Stadtregierung vorlegen. Stadträtin Patrizia Brillo erklärte zum Abschluss der Pressekonferenz, dass die Gemeinderatssitzung, die heute um 18.00 Uhr beginnt, zur Gänze dem Thema der Menschen mit Behinderungen gewidmet ist. Einige Vereine, die Menschen mit Behinderungen betreuen und begleiten, werden von ihren Erfahrungen berichten und es wird über die Instrumente und Maßnahmen gesprochen, die notwendig sind, um die Inklusion und die Teilhabe der Menschen mit Behinderung besser zu fördern.