Beschreibung
Am 11. Juli 1948 fanden in Bozen die ersten Gemeinderatswahlen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges statt. Seither sind auf den Tag genau 75 Jahre vergangen, und aus diesem Grunde fand heute im Festsaal der Gemeinde eine große Feier statt, bei der auch Gemeinderätinnen und Gemeinderäte geehrt worden sind, die mindestens drei Amtsperioden tätig waren. Auch die ehemaligen Bürgermeister Marcello Ferrari, Giovanni Salghetti, Gionvanni Ivan Benussi und Luigi Spagnolli wohnten dem heutigen Festakt bei.
Der Präsident des Gemeinderates, Stephan Konder und die Vizepräsidentin Monica Franch, die die Feierlichkeiten moderierten, begrüßten die Anwesenden. Der Bürgermeister von Bozen, Renzo Caramaschi und der Vizebürgermeister Luis Walcher hielten eine Ansprache. Anschließend erzählte der Journalist Maurizio Ferrandi in seinem Vortrag von der Begeisterung, die unter der Bozner Bevölkerung am Tag der Wahlen und bei der ersten Sitzung des neu gewählten Gemeinderats geherrscht hatte. Die Historikerin Theresia Morandell, die auch am Institut für Vergleichende Föderalismusforschung der Eurac tätig ist, beleuchtete hingegen die Reformen der Gemeindeordnung seit 1948.
Maurizio Ferrandi schreibt in seinem Beitrag, der in der Festschrift in voller Länge veröffentlicht ist: „Am Sonntag, dem 11. Juli 1948 waren die Wahllokale von 7.00 Uhr bis 21.00 Uhr geöffnet. Der Wählerzustrom war nicht allzu hoch. 38.000 Bozner Bürgerinnen und Bürger, die auf 64 Wahlsektionen aufgeteilt waren, gaben ihre Stimme ab. Die Auszählung der Stimmen verlief schleppend, und das endgültige Ergebnis mit den Namen der gewählten Gemeinderäte lag erst am Mittwoch, dem 14. Juli vor. An jenem Tag erreichte Bozen auch die schockierende Nachricht über das Attentat auf Palmiro Togliatti und die Unruhen, die im restlichen Staatsgebiet ausgebrochen waren, sodass es den Anschein hatte, als stünde Italien am Rande eines Bürgerkrieges. Rückblickend lässt sich sagen, dass alle 40 Gemeinderäte wichtige Persönlichkeiten der Südtiroler Politik des 20. Jahrhunderts waren. Neben Silvius Magnago wurden Alcide Berloffa und Enrico Bertorelle von der „Democrazia Cristiana“ gewählt, dann Walther Amonn, einem der Gründerväter der SVP, sowie Andrea Mascagni von der Kommunistischen Partei und Pietro Mitolo von der Partei „Movimento Sociale Italiano“. (…) Wenn man heute die Liste der damals gewählten Gemeinderäte durchgeht, so gibt es nur einen Makel: Unter den 40 Volksvertretern gab es nur eine Gemeinderätin, Frau Marcella Negri von der „Democrazia Cristiana“. Auch bei den Parlamentswahlen im April oder bei den Regionalratswahlen im November wurde keine Frau gewählt. Die Wahlen von 1948 waren die ersten in Südtirol, bei denen auch Frauen ihre Stimme abgeben konnten.“
Wie Bürgermeister Renzo Caramaschi betonte, befand sich Bozen damals, am 11. Juli 1948, gerade auf dem Weg zur Demokratie. „Nach den Schrecken der Diktaturen und Kriege konnten nun alle Menschen - ohne Unterscheidung von Geschlecht, Sprachzugehörigkeit oder Einkommen - an den Gemeinderatswahlen teilnehmen, und die Gewählten trugen mit Begeisterung zur Wiedergeburt unserer Stadt bei, an deren kollektiven Entscheidungen sie gleichberechtigt teilhatten. Die Gemeinderätinnen und Gemeinderäte sind die Stimme des Volkes, das sie bei den ihnen anvertrauten Aufgaben der politisch-administrativen Steuerung und Kontrolle der Maßnahmen, die die Exekutive trifft, vertreten.“ Und der Bürgermeister führte weiter aus, „dass nicht vergessen werden darf, dass die Gemeinde verfassungsmäßig die Institution ist, die den Bürger/innen am nächsten steht, der erste Filter zwischen Gesellschaft und öffentlicher Verwaltung, die Gebietskörperschaft, die die Bedürfnisse und Probleme der Bevölkerung am direktesten wahrnimmt. Der Gemeinderat ist also das Lenkungsgremium, in dem die Demokratie ihre moderne “ecclesia” gefunden hat.“
Vizebürgermeister Luis Walcher betonte, dass „viele Frauen und Männer sich in diesen 75 Jahren für ihre Stadt zur Verfügung gestellt haben, um sie zu gestalten und zu verwalten, nach bestem Wissen und Gewissen, im Gemeinderat genauso wie in den Ratskommissionen, im Stadtrat oder als Vizebürgermeister oder Bürgermeister. Dafür gilt jeder und jedem Einzelnen mein großer persönlicher Dank.“
Ein Höhepunkt der Feierlichkeiten war die Verleihung der Ehrenzeichen an die Gemeinderätinnen und Gemeinderäte, die ab 1995 mindestens drei Amtsperioden tätig waren. 1995 ist die Ordnung über die Verleihung von Ehrenzeichen der Stadt Bozen in Kraft getreten. Mit dem silbernen Ehrenzeichen wurden die Gemeinderätinnen und Gemeinderäte ausgezeichnet, die drei Amtsperioden tätig waren, mit dem goldenen Ehrenzeichen hingegen jene, die mehr als drei Amtsperioden tätig waren. Eine Amtsperiode ist in der Regel mindestens 30 Monate lang.
Das silberne Ehrenzeichen wurde verliehen an:
BAUER POLO Ingeborg (posthum)
BERTOLDI Mauro
BIZZO Roberto
CLEMENTI Norbert
DEGLI AGOSTINI Giorgio
FRANCHI Riccardo
GAMBETTI Vitantonio
HOFER Sylvia
KOFLER PEINTNER Judith
MAYR Georg
MENAPACE Carla (posthum)
RIZZOLLI Helmut
ROTTENSTEINER HUBER Margarete
SERAFINI Antonio
TOMADA Mariateresa
VARALTA Daniele
PONTECORVO Fernando
Das goldene Ehrenzeichen wurde verliehen an:
BERTOLUCCI Paolo
ELLECOSTA Oswald
GALLETTI Oreste
MARGHERI Guido
PICCOLIN Gianfranco
PICHLER ROLLE Elmar
REPETTO Sandro
RULLO Generoso (posthum)
SCHIATTI Luigi
SFONDRINI Giuseppe (posthum)
SIGISMONDI Alberto
BULLARA Vincenzo