Beschreibung
Im Beisein von Bozens Bürgermeister Renzo Caramaschi, der Stadträtin für Kultur, Chiara Rabini, und Vertreterinnen und Vertretern der Vereine “Associazione Ex Deportati nei Campi Nazisti“ und des Partisanenvereins wurden in der Stadtgalerie von Bozen zwei Ausstellungen eröffnet: „The Labyrinths" (Marian Kolodziej) und “Menestrella nel Lager – Disegni e filastrocche di Aura Pasa, Bolzano 1944-45”. Die Ausstellungen wurden vom Stadtarchiv Bozen und der Vereinigung ANED kuratiert.
Zwei Ausstellungen. Zwei NS-Lager: Bozen und Auschwitz 1, ein Durchgangslager und ein Vernichtungslager, das Vorzimmer zur Hölle und die Hölle, in der man fünf Jahre lang gelitten hat. Zwei rote Dreiecke, politische Deportierte: eine Frau und ein Mann. Aura Pasa aus Verona, Deportierte in Bozen, Partisanin: eine Zeugin über das Leben im Lager, mit dem hartnäckigen Willen, sich nicht dem Prozess der Entpersönlichung der Folterer zu beugen und mit “Leichtigkeit” zu reagieren, auch um ihre Begleiterinnen inmitten extremen Erfahrung zu unterstützen. Marian Kolodziej, pole, Überlebender der Lager Auschwitz, Groß-Rosen, Buchenwald, Dora, Sachsenhausen und Mauthausen/Ebensee, Partisan: hat nach Jahren des Schweigens die Tragödien, deren Opfer und Zeuge er war, in einer Reihe von Tafeln mit düsteren und pessimistischen Tönen wieder aufgearbeitet, aus denen ein Hoffnungsschimmer durchscheint. Zwei unterdrückte Sieger über Barbarei und zwei Einblicke in die Tragödie und das Grauen des nationalsozialistischen Weltherrschaftsplans. Zwei sich ergänzende Erfahrungen. Um nicht zu vergessen.
The Labyrinths ist im Missionärzentrum “Pater Kolbe” in Harmeze bei Oswiecim in Poland ständig ausgestellt. Die Wanderausstellung ist wie ein Labyrinth gestaltet und besteht aus 67 Zeichungen. 2005 haben das Stadtarchiv Bozen und die Stadt Nova Milanese in der Freien Universität Bozen diese Wanderausstellung aus digitalen Reproduktionen einiger Werke von Marian Kolodziej vorgestellt. Die aktuelle Ausstellung in der Stadtgalerie Bozen stellt eine Wahl der Zeichnungen vor, die die Hauptthemen von The Labyrinths gut wiedergeben. Kolodziej visualisiert einzige Aspekte
seines Alltagslebens während seiner 5- jährigen Deportation in verschiedenen NS-Lagern. Mit seinem Zeichen gibt er Zeugnis für die erlittenen Schmerzen, Hunger, Gewalttaten und Tod. Er stellt den Mensch als Nummerträger, ständig
mit verzweifelten und betroffenen Gesichtern, die schon zum Tode vorbereitet sind. Diese Zeichnungen bringen Kenntnisse über das Überleben in den NSLagern bei und lassen auch über das Thema der Welt und der Menschheit nach Auschwitz nachdenken. Jede Zeichnung ist wie die Aufnahme einer einzigen Erfahrung oder die Aufarbeitung eines sonderbaren Augenblicks. Über viele Aspekte des Alltagslebens im KZ gibt uns Kolodziej
Bescheid: die Prozeduren des Zugangs, die Selektionen, die Immatrikulation sowie verschiedene Momente an einem einzelnen Tag: die Knappheit der Nahrung und der unvermeidbare Hunger, die Sklavenarbeit, die unbegründeten Gewalttaten der Kapos, der Tod.
Mit der Ausstellung der Werke von Aura Pasa endet die Veranstaltungsreihe von „Bozen – Stadt der Erinnerung 2022“. Aura Pasa war eine Partisanin, die während ihrer Gefangenschaft im Bozner NS-Durchgangslager Reime verfasst und Zeichnungen angefertigt hat. Es handelt sich um Dutzende von Zeichnungen, die aber nicht die Greuel, die Hungersnot, die Kälte oder die Gewalt darstellen, die im Lager herrschten, sondern Augenblicke der Ruhe und der Flucht aus der Realität. Eine vollkommen andere Art von Widerstand der Frauen in den NS-Lagern.
Im „Jahr der Erinnerung 2022“ fanden in Bozen zahlreiche Veranstaltungen statt, und wie Bürgermeister Caramaschi in seiner Eröffnungsrede betonte, ist es für Bozen eine Ehre und eine Pflicht, die Erinnerung an die Ereignisse vor 80 Jahren wachzuhalten. „Denn auch Bozen blieb von den geschichtlichen Ereignissen nicht unberührt.“ sagte Caramaschi. „Es gab den Widerstand gegen das faschistische Regime und gegen das NS-Regime, in der Reschenstraße wurde das NS-Durchgangslager eingerichtet, nach dem Krieg folgten die schwierigen Jahre des Wiederaufbaus und es wurde die Autonomie geboren. In enger Zusammenarbeit mit den vielen Vereinen, insbesondere mit Aned und Anpi, werden die Ereignisse weiter aufgearbeitet und für die nächsten Generationen bewahrt, wobei wir uns insbesondere an die Frauen und Männer erinnern sollten, die für die Freiheit und die Demokratie gekämpft haben.“ sagte der Bürgermeister abschließend.
Stadträtin Chiara Rabini dankte den Vereinen und dem Stadtarchiv für ihren Einsatz und ihre Arbeit, wodurch diese zwei bemerkenswerten Ausstellungen entstanden sind. Im „Jahr der Erinnerung 2022“ konnten dank der Mitarbeit von mehr als 30 Vereinen und Körperschaften, von Fachleuten, Historikerinnen und Historikern, Zeitzeuginnen und Zeitzeugen mehr als 70 Veranstaltungen, Vorträge, Theateraufführungen, Konzerte, Lesungen und Ausstellungen organisiert werden, erklärte die Stadträtin weiter. „Die Qualität der Beiträge und das große Interesse, das die verschiedenen Veranstaltungen hervorgerufen haben, zeigen, dass dieses Thema viele Mitbürgerinnen und Mitbürger interessiert. Die Stadt Bozen – und hier insbesondere das Stadtarchiv - bemüht sich seit mehr als 30 Jahren, die dunklen Jahre des Nazifaschismus zu beleuchten, zu dokumentieren und aufzuarbeiten, um die Erkenntnisse an die nächsten Generationen weitergeben zu können, damit sich Genozid und ungerechtfertigte Diskriminierung nicht wiederholen. Und auch die Erinnerung an den Mut der Frauen und Männer, die damals gelebt und gekämpft haben, soll bewahrt werden.“ sagte Rabini abschließend.
Ein Dank ergeht an die folgende Vereine und Einrichtungen: ANED, “Associazione Ex Deportati nei Campi Nazisti”, Kulturverein “Franca Turra-Hans Egarter” des ANPI Alto Adige-Südtirol, Assessorat für Kultur der Stadtgemeinde Bozen, Organisationsstruktur des Bürgermeisters, verschiedene Vereine und Körperschaften aus Bozen und Südtirol. (Link: https://opencity.gemeinde.bozen.it/Themen/Spezifische-Themen/Bozen-Stadt-der-Erinnerung-2022). Seit 1995 erforscht das Stadtarchiv von Bozen das Thema der Deportation, und es wurden bisher unzählige Dokumente und Berichte von Zeitzeugen zusammengetragen, die für Interessierte, Schulen und Fachleute frei zugänglich sind.
"The Labyrinths" (Marian Kolodziej)
“Menestrella nel Lager – Disegni e filastrocche di Aura Pasa, Bolzano 1944-45”
11. – 31. JANUAR 2023
10.30-12.30/16.00-19.30 Uhr – Montag geschlossen
STADTGALERIE DOMINIKANERPLATZ - BOZEN