Beschreibung
Anlässlich des Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust findet in derzeit in der Stadtgalerie eine Ausstellung zum Zweiten Weltkrieg mit dem Titel „BZ 1940 – 45: Kriegsspuren in den Beständen des Stadtarchivs“ statt. Gezeigt werden Fotografien und Dokumente, die das Schicksal der Stadt und ihrer Bevölkerung in den Jahren zwischen 1940 und 1945 erzählen. Die ausgestellten Exponate werden eigentlich im Stadtarchiv verwahrt. Nun wurden sie für die Ausstellung einem breiteren Publikum zugänglich gemacht.
Heute Vormittag wurde die Ausstellung im Beisein von Bozens Bürgermeister Claudio Corrarati und des verantwortlichen Stadtrats Claudio Della Ratta vorgestellt und eröffnet. Zugleich mit der Ausstellung „BZ 1940 – 45“ wurde eine vom Partisanenverband ANPI kuratierte Ausstellung von Zeichnungen und Gedichten der Kinder von Theresienstadt eingeweiht, die ebenfalls in der Stadtgalerie zu sehen ist.
„Wir müssen die Erinnerung wachhalten, umso mehr, wenn wir auf den derzeitigen Zustand der Welt blicken,“ so Bürgermeister Corrarati. „Im Mittelpunkt dieser Ausstellung, die das Veranstaltungsprogramm zum Tag des Holocaust-Gedenkens eröffnet, stehen Bilder: Und wenn wir vor einem dieser Bilder innehalten, sollten wir uns auch bewusst machen, dass wir in einer Welt leben, die von Bildern überflutet ist und in der wir uns ganz schnell an die Eindrücke von Krieg und Zerstörung gewöhnen, weil wir sie als Teil unseres Alltags wahrnehmen. Uns jedoch, die wir Bürgerinnen und Bürger einer Stadt sind, in der es auch ein NS-Durchgangslager gab, müssen diese Bilder eine fortwährende Mahnung sein. Unser Handeln muss von der Überzeugung geprägt sein, dass sich so etwas niemals wiederholen darf. Es reicht nicht, „nie wieder” zu sagen: Wir müssen die Erinnerung leben, auf öffentlichen Plätzen, an Schulen, in der Kultur, in der Kunst. Bozen muss die Flamme der Erinnerung jeden Tag bewusst weitertragen, und diese Fotos helfen uns dabei. Zwar ist uns die Stadt, in der sie aufgenommen wurden, fremd, denn über 70 % der Gebäude in Bozen wurden von Bomben beschädigt. Die Fotos aber lassen uns innehalten, und plötzlich ist die Vergangenheit wieder ganz präsent. Ich möchte, dass Bozen nicht nur eine Stadt der Erinnerung, sondern auch eine Stadt der Erinnernden ist.”
Im Untergeschoss der Stadtgalerie erwarten die Besucherinnen und Besucher Fotografien und Dokumente, die vom Leben in der Stadt und vom Alltag der Menschen in der Zeit zwischen 1940 und 1945 berichten. Stadtarchive haben nicht nur den Auftrag, die Bestände zu bewahren, sondern auch, Daten, Namen und Ereignisse zu sammeln, die die Geschichte eines Ortes prägen. Auf diese Wiese lässt sich die Entwicklung einer Stadt anschaulich nachvollziehen.
Das Bozner Stadtarchiv verfügt über eine Vielzahl wichtiger Exponate zur Stadtgeschichte des 20. Jahrhunderts, die von der Angliederung der Gemeinde Zwölfmalgrein im Jahr 1911 und der Gemeinde Gries im Jahr 1926 bis in die Gegenwart reichen. Es sind jedoch auch Hunderte von Urkunden aus dem 13. Jahrhundert und Tausende von Dokumenten aus den nachfolgenden Jahrhunderten vorhanden.
Mit dieser Ausstellung will die Stadt zum Tag des Gedenkens an den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust ein Zeichen gegen das Vergessen setzen. Bürgermeister Corrarati nahm den heutigen Tag zum Anlass, um an den Bozner Rechtsanwalt und Zeitzeugen Arnaldo Loner zu erinnern. „Wer die Erinnerung lebendig halten will, muss gezielt und unmissverständlich danach handeln. Auch dies hat uns Rechtsanwalt Loner gelehrt,“ betonte Corrarati. „Diese Veranstaltung, die den Auftakt der Feierlichkeiten zum Tag des Holocaustgedenkens bildet, ist ihm gewidmet, als Zeichen der Würdigung seines großen Einsatzes für die Bewahrung der Erinnerung. Damit Bozen nicht vergisst.“
Informationen unter: https://eventi.comune.bolzano.it/agenda/event/63542
Abschließend wurde das Gedenkprogramm zum Holocaustgedenktag am 27. Januar sowie das dazugehörige Rahmenprogramm der Kulturvereine, Kulturorganisationen und Kultureinrichtungen der Stadt vorgestellt.
Die Ausstellung „Zeichnungen und Gedichte der Kinder von Theresienstadt“ wurde vom Vorsitzenden der Partisanenvereinigung ANPI in Südtirol Guido Margheri vorgestellt.
Im Ghetto Theresienstadt sorgten Mitglieder der jüdischen Gemeinde von Theresienstadt dafür, dass die deportierten Kinder weiterhin Unterricht unterhielten. Der Kunstlehrer Die Kunstlehrerin Friedl Dicker-Brandeis leitete einen Malkurs für die Kinder im Ghetto. So entstanden über viertausend Zeichnungen, die Dicker-Brandeis vor seiner ihrer Deportation nach Auschwitz in seinen zwei Koffern versteckte. Die Zeichnungen blieben von den Nationalsozialisten unentdeckt und kamen mehr als zehn Jahre nach Kriegsende wieder ans Tageslicht. Viele dieser Zeichnungen können heute im Jüdischen Museum in Prag bewundert werden, das die Bestände aus Theresienstadt verwaltet.
Informationen zur Wanderausstellung und zu den Führungen sind unter der Telefonnummer 3386247717 erhältlich. E-Mail: anpi.altoadige@gmail.com